Der Begriff „Use Case“ ist in der Softwareentwicklung weit verbreitet, wird jedoch nicht immer konsistent verwendet. Teams vermischen häufig unterschiedliche Abstraktionsebenen bei der Beschreibung, was zu Unklarheiten und schwacher Nachvollziehbarkeit führt.

Um die Diskussion zu schärfen, ist es hilfreich, mit der formalen Idee eines Use Cases zu beginnen und anschließend zwei wichtige Varianten zu unterscheiden:

  • Business Use Cases
  • System Use Cases

Das Verständnis dieses Unterschieds verbessert die Kommunikation und schafft einen klaren Weg vom Domänenverständnis zur Umsetzung.

Was ein Use Case tatsächlich ist

In der Software- und Systemtechnik erfasst ein Use Case Anforderungen, indem er Interaktionen zwischen Akteuren und einem System zur Erreichung eines Ziels beschreibt. Er stellt eine Abfolge von Aktionen dar, die für einen Akteur ein beobachtbares, wertstiftendes Ergebnis erzeugt.

Diese Definition hebt einige zentrale Eigenschaften hervor:

  • Use Cases erfassen funktionale Anforderungen
  • Sie sind akteurs- und zielorientiert
  • Sie fokussieren auf von außen sichtbares Verhalten
  • Sie sind unabhängig von der Implementierung

Use Cases sind daher keine Entwurfsbeschreibungen. Sie beschreiben Verhalten und Ergebnisse.

Business Use Cases

Ein Business Use Case fokussiert auf die Organisation und nicht auf ein einzelnes Softwaresystem. Er beschreibt, wie das Unternehmen durch Abläufe mit Menschen, Prozessen und gegebenenfalls mehreren Systemen Wert schafft.

Er erfasst:

  • Geschäftsziele
  • Organisationale Aktivitäten
  • Rollen und Verantwortlichkeiten
  • Wertschöpfung

Er ist in der Regel technologieagnostisch und in der Sprache der Fachdomäne formuliert.

Beispiel

Kundenauftrag abwickeln

Ein Kunde gibt eine Bestellung auf. Die Organisation prüft die Verfügbarkeit, bereitet den Versand vor, stellt die Rechnung aus und liefert das Produkt.

Dies beschreibt, wie das Geschäft operiert. Es beschreibt kein Systemverhalten.

Zweck

Business Use Cases unterstützen:

  • Das Verständnis der Domäne
  • Die Abstimmung von Stakeholdern
  • Die Exploration von Anforderungen
  • Die Identifikation von Systemverantwortlichkeiten

Sie verankern die Diskussion in der tatsächlichen Geschäftsabsicht, bevor Lösungen betrachtet werden.

System Use Cases

Ein System Use Case spezifiziert das Verhalten eines Systems in der Interaktion mit einem Akteur. Er definiert funktionale Anforderungen in Form beobachtbarer Systemreaktionen.

Er erfasst:

  • Interaktionen zwischen Akteuren und System
  • Systemverantwortlichkeiten
  • Normale und alternative Abläufe
  • Vorbedingungen und Ergebnisse

Beispiel

Auftrag anlegen

Akteur übermittelt Auftragsdaten System validiert die Eingaben System speichert den Auftrag System bestätigt die Anlage

Alternative Abläufe beschreiben Validierungsfehler oder nicht verfügbare Produkte.

Zweck

System Use Cases unterstützen:

  • Anforderungsspezifikation
  • Architektur und Design
  • Implementierungsleitplanken
  • Abnahmetests

Sie übersetzen Absicht in präzises, testbares Verhalten.

Beziehung zwischen beiden

Der zentrale Unterschied liegt im Umfang.

Business Use Case Fokus auf organisatorischem Verhalten

System Use Case Fokus auf Systemverhalten

Sie sind verbunden, aber nicht austauschbar.

Business Use Cases leiten die Identifikation von Systemverantwortlichkeiten. System Use Cases formalisieren diese Verantwortlichkeiten als Interaktionen.

Ein Business Use Case führt häufig zu mehreren System Use Cases.

Beispiel:

Geschäftsziel Kundenauftrag abwickeln

Abgeleitete System Use Cases

  • Auftrag anlegen
  • Verfügbarkeit prüfen
  • Rechnung erstellen
  • Sendung verfolgen

Diese Progression führt von Absicht zur Spezifikation.

Testbarkeit und Präzision

Beide Typen sind wertvoll – jedoch auf unterschiedliche Weise.

Business Use Cases liefern Kontext und Verständnis. Sie sind nicht direkt testbar.

System Use Cases definieren überprüfbare Abläufe:

  • Beobachtbar
  • Wiederholbar
  • Messbar

Sie lassen sich überführen in:

  • Abnahmetests
  • Integrationstests
  • KI-generierte Szenarien

Damit bilden sie eine starke Brücke zwischen Anforderungen und Implementierung.

Wie Business- und System-Use-Cases in AIUP eingesetzt werden

Im AI Unified Process (AIUP) wird die Unterscheidung zwischen Business- und System-Use-Cases operativ wirksam statt rein theoretisch. Jeder Typ übernimmt eine klare Rolle auf dem Weg vom Domänenverständnis zur ausführbaren Software.

Business Use Cases in AIUP

Business Use Cases werden in der Phase der Entdeckung und Abstimmung eingesetzt. Sie erfassen die Absicht, bevor Systemverhalten spezifiziert wird, und entstehen typischerweise in Workshops und durch Domänenexploration.

Sie helfen bei der Klärung von:

  • Geschäftszielen
  • Organisationalen Abläufen
  • Akteursverantwortlichkeiten
  • Erwarteten Ergebnissen

Sie werden nicht direkt für Code- oder Modellgenerierung verwendet. Ihre Aufgabe ist es, ein gemeinsames Verständnis sicherzustellen und verfrühte Lösungsentscheidungen zu vermeiden.

Dieser Schritt ist insbesondere in KI-gestützter Entwicklung entscheidend. KI verstärkt Unschärfen. Ist die Absicht unklar, spiegeln generierte Artefakte diese Unklarheit wider.

Business Use Cases beantworten:

Warum existiert diese Fähigkeit?

System Use Cases als zentrales Artefakt

System Use Cases sind die zentrale Verhaltensspezifikation in AIUP. Sie fungieren als stabiler Vertrag zur Beschreibung des Systemverhaltens.

Aus ihnen leiten KI-unterstützte Workflows ab:

  • Entitätsmodelle
  • Interaktionsdiagramme
  • Testszenarien
  • Codestrukturen oder -anpassungen

Sie verbinden Absicht und Implementierung und unterstützen inkrementelle Weiterentwicklung.

AIUP regeneriert keine Systeme als Ganzes. Änderungen erfolgen Use Case für Use Case und ermöglichen:

  • Kontrollierte Anpassungen
  • Nachvollziehbarkeit
  • Kleine, überprüfbare Änderungen

System Use Cases beantworten:

Wie muss sich das System verhalten?

Menschliche Prüfung und Iteration

Menschliche Validierung bleibt essenziell.

Business Use Cases werden auf Korrektheit der Absicht geprüft. System Use Cases werden auf Präzision und Vollständigkeit überprüft.

KI beschleunigt Strukturierung und Generierung, doch Menschen sichern:

  • Domänenkorrektheit
  • Klarheit
  • Konsistenz
  • Ausrichtung an den Zielen

Diese Rückkopplung verhindert Spezifikationsdrift und sichert Qualität.

Zusammenfassung

Innerhalb von AIUP:

  • Business Use Cases verankern das Domänenverständnis
  • System Use Cases definieren Verhaltensverträge
  • KI arbeitet primär auf Basis von System Use Cases
  • Menschen sichern Korrektheit und Ausrichtung

Diese Trennung ermöglicht es AIUP, Geschäftsabsicht und Softwareevolution kontrolliert und transparent zu verbinden.

Konklusio

Ein Use Case beschreibt eine zielorientierte Interaktion, die für einen Akteur Wert erzeugt. Innerhalb dieses Konzepts sind zwei Ebenen essenziell:

Business Use Cases Beschreiben, wie die Organisation Ziele erreicht

System Use Cases Beschreiben, wie sich das System verhält, um diese Ziele zu unterstützen

Sie adressieren unterschiedliche Zielgruppen und Zwecke, schaffen jedoch gemeinsam einen klaren Weg vom Domänenverständnis zur Softwareimplementierung.

In moderner Entwicklung – insbesondere in KI-gestützten Workflows – ist diese Unterscheidung kein akademisches Detail. Sie ist ein praktischer Mechanismus, um Absicht, Spezifikation und Implementierung langfristig in Einklang zu halten.